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Pressemitteilung vom 02.11.2012

Lärm
das am stärksten unterschätzte Umweltproblem

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Millionen Menschen sind davon betroffen, kaum jemand tut etwas. „Lärm ist das am stärksten unterschätzte Umweltproblem in Deutschland", kommentierte kürzlich der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), Jochen Flasbarth. Die Grünen im Bayerischen Landtag haben eine Interpellation eingereicht, um eine umfassende Bestandsaufnahme zum Thema Lärm als Ausgangsbasis für notwendige Gesetzesänderungen zu bekommen.

Am stärksten belästigt fühlen sich in Deutschland die Menschen vom Straßenverkehrslärm (62 %) gefolgt von Nachbarschaftslärm (47 %), Flugverkehr (38 %), Industrie/Gewerbe (26 %) und Schienenverkehr (22 %). Hinzu kommt der immer drastischere Formen annehmende „erwünschte" Freizeitlärm. Die Auswirkungen sind dramatisch. Laut einer UBA-Studie hat jedes achte Kind zwischen acht und vierzehn Jahren bereits eine auffällige Minderung der Hörfähigkeit. Ein Drittel aller jungen Menschen von heute wird als 50-Jährige ein Hörgerät brauchen.


Die gesundheitlichen Folgen von Lärm sind längst bekannt. Neben Schwerhörigkeit und Schlafstörungen drohen Herz-/Kreislauferkrankungen, Blutdruckstörungen, Magen-/Darmerkrankungen, Stoffwechselstörungen sowie eine Schwächung bzw. Erkrankung des Immunsystems. Hinzu können schwerwiegende psychische Probleme wie beispielsweise Verminderung der Konzentrations- und Leistungsfähigkeit, Reduzierung der sozialen Kontakte, zunehmende Nervosität und Aggressivität und vieles mehr kommen.


Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) kostet der Krach die Europäer jedes Jahr mehr als eine Million gesunde Lebensjahre. Selbst die EU-Kommission hat das Problem erkannt:


„Der von Verkehr, Industrie und Freizeitaktivitäten verursachte Lärm stellt eines der wichtigsten lokalen Umweltprobleme in Europa dar und ist zunehmend Gegenstand von Beschwerden der Öffentlichkeit. Schätzungen zufolge sind rund 20 % der Bevölkerung in der Union, d.h. annähernd 80 Millionen Menschen, Lärmpegeln ausgesetzt, die von Wissenschaftlern und Medizinern als untragbar angesehen werden, von denen sich die meisten Menschen gestört fühlen, die zu Schlafstörungen führen und bei denen gesundheitsschädliche Auswirkungen zu befürchten sind. Weitere 170 Millionen Bürger leben in sogenannten ‚grauen Zonen', in denen die Lärmbelastung tagsüber zu starken Belästigungen führt." (Grünbuch der EU-Kommission: KÜNFTIGE LÄRMSCHUTZPOLITIK, 1996).


Mit der EU-Umgebungslärmrichtlinie hat die EU zwar ein Instrument für die Erfassung der lärmgeplagten Bevölkerung geschaffen, aber wirkungsvolle Maßnahmen zur Umsetzung des Lärmschutzes den einzelnen Ländern überlassen. Leider haben bislang alle wissenschaftlichen Erkenntnisse, die durch zahlreiche internationale Studien mehr als ausreichend belegt sind, zu keinerlei Konsequenzen geführt, was den Schutz der Menschen vor Lärm betrifft. Warum das so ist, lässt sich nur mit dem Einfluss der Lärm-Lobby erklären. Ein besonders deprimierendes Fazit ihrer langjährigen Arbeit zieht Gerda Noppeney von der „Ärzteinitiative für ungestörten Schlaf Rhein-Sieg", die in dem Artikel „Erkenntnisfortschritt und fehlende Umsetzung: Zum Konservativismus in der Politik" ihre Erfahrungen mit Parlamentariern am Beispiel Fluglärmschutzgesetz schildert:


„Das vorliegende Fluglärmschutzgesetz sieht entgegen medizinischer Forderungen keinen aktiven Lärmschutz vor. Die politischen Entscheidungsträger haben sich bis heute geweigert, die gesetzlichen Grundlagen dafür zu legen. Sie negieren erdrü-ckende wissenschaftliche Erkenntnisse. Sie verhindern, dass festgelegte Schutzziele für Kranke, Alte und Kinder eingehalten und diese Normen auf die Gesamtheit der Bevölkerung ausgedehnt werden." (zitiert nach: Grenzen der Demokratie, Wiesbaden 2012, S. 149 ff.)


Ähnliches ließe sich leider über alle Lärmarten feststellen.


Nach Ansicht der Landtagsgrünen ist es daher höchste Zeit, endlich konkrete Schritte zu tun, um die gesundheitlichen, gesellschaftlichen und auch wirtschaftlichen Folgen des Lärms einzudämmen.


Unsere Forderungen:
•Gleichbehandlung aller von Verkehrslärm Betroffener, egal, ob es sich um bestehende oder Neubautrassen handelt.
•Absolutes Nachtflugverbot an den bayerischen Flughäfen von 22 - 6 Uhr, mindestens jedoch von 23 - 5 Uhr analog dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zum Flughafen Frankfurt vom April 2012.
•Anpassung der Lärmgrenzwerte an wissenschaftliche Erkenntnisse; der bisher verwendete Durchschnittspegel ist völlig ungeeignet, die tatsächliche Belastung festzustellen
•Umfassende Lärmsanierung im Schienenverkehr (bessere Gleispflege, leise Bremssohlen, Radschallabsorber oder lärmoptimierte Drehgestelle).



Wir haben eine Interpellation (siehe Anhang) eingereicht, um eine umfassende Bestandsaufnahme zum Thema Lärm als Ausgangsbasis für notwendige Gesetzesänderungen zu bekommen.

 


 
Dr. Christian Magerl, MdL,
Vorsitzendes des Ausschusses für Umwelt und Gesundheit


 


 




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