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Wie geht es weiter mit dem 3. Nationalpark in Bayern?

10.04. 2017

Die Diskussion um einen dritten Nationalpark wird immer unsachlicher. Nachdem im Kabinett ein dritter Nationalpark für Bayern beschlossen wurde, forderten die Landtags-Grünen im Umweltausschuss eine Expertenanhörung, um die fachlichen Voraussetzungen für ein solches Gebiet zu diskutieren.


Die CSU-Fraktion lehnte diese Anhörung zunächst mit haarsträubenden Begründungen ab, nach dem Motto „ist doch schon alles bekannt“ oder der Landtag solle das Umweltministerium „in Ruhe arbeiten lassen“. Diesen Mangel an Transparenz ließ die Opposition allerdings nicht durchgehen und setzte die Expertenanhörung gegen die Stimmen der CSU mit einem sog. Minderheitenvotum durch.
Der Vorsitzende des Umweltausschusses, Dr. Christian Magerl zeigte sich sehr verwundert, wie vehement sich die CSU einer fachlichen Diskussion des Themas verweigert.

Im Vorfeld der Anhörung besuchte Christian Magerl mit einer Delegation unter anderen das Gebiet im Steigerwald:

Bei einer Exkursion unter fachkundiger Führung machten sich die Abgeordneten, Dr. Christian Magerl, (Umweltpolitischer Sprecher), Markus Ganserer (Forstpolitischer Sprecher), sowie die unterfränkische Abgeordnete Kerstin Celina  ein aktuelles Bild von der Situation vor Ort. Dr. Georg Sperber, Forstdirektor a.D., führte die Abgeordneten und viele weitere Interessierte etwa 2 ½ Stunden durch den nördlichen Steigerwald, das Ebracher Forst, und legte dabei mit vielen Anekdoten anschaulich dar, wieso das Gebiet des Steigerwalds schützenswert ist.

Christian Magerl: „Bei der Suche nach einem dritten Nationalpark in Bayern muss der Steigerwald unbedingt im Rennen bleiben. Der Steigerwald hat für den Naturschutz europäische Bedeutung. Er ist, wegen seiner Bandbreite an unterschiedlichen Böden und natürlich auch seiner mächtigen alten Buchen, eines Nationalparks mehr als würdig.“

Die Expertenanhörung

Die Expertenanhörung am 16. März 2017 im Umweltausschuss sollte Fragen zur Rahmenbedingungen, gesellschaftlicher Akzeptanz und ökonomischen Effekten eines dritten Nationalparks in Bayern klären. Das öffentliche Interesse an den Expertisen war so groß, dass sogar der Senatssaal im Bayerischen Landtag zum Sitzungssaal umfunktioniert wurde.

Eine Expertin und 13 Experten, darunter vier Leiter bestehender Nationalparks, kritisierten die Gebietsauswahl, bei der zwei fachlich bestens geeignete Gebiete, der Steigerwald und das Ammergebirge von vornherein ausgeklammert wurden. 

Weiterhin wurden von allen Beteiligten Machbarkeitsstudien für die in Frage kommenden Gebiete vermisst. Denn ohne diese fachlichen Studien, können die Fragen der Bevölkerung vor Ort nicht beantwortet werden. Es entwickeln sich Mythen und der Widerstand gegen einen Nationalpark wächst. Dabei sind alle bisher ausgewiesenen deutschen Nationalparke Erfolgsgeschichten, sowohl was die Wertschöpfung als auch die Arbeitsplätze angeht, das zeigen u.a. Studien von Professor Job. Die Leiterin des Tourismusverbandes Ostbayern, Susanne Wagner, nannte ihren Nationalpark Bayerischer Wald treffend einen „Sechser im Lotto“.

Bei Laubholz ist Deutschland Exportnation. Die Einbußen in der Holzwirtschaft sind angesichts der Wertschöpfung, die ein Nationalpark mit sich bringt, locker zu verkraften. Sehr kontrovers wurde um die Zukunft der Eichen in einem möglichen Nationalpark Spessart diskutiert. Da der vorgeschlagene Nationalpark nur 6% der Spessartfläche einnimmt, ist ein Überleben der Spessarteiche weiterhin gesichert.
„Es ist schade, dass ein naturschutzfachlich, aber auch strukturpolitisch so wichtiges Thema wie den 3. Nationalpark in Bayern durch die Staatsregierung so unprofessionell angegangen wird.“ so unser Vorsitzender des Umweltausschusses, Dr. Christian Magerl.

Fünf für Bayern – mehr Naturschutz wagen

Die Diskussion um einen dritten Nationalpark in Bayern leidet derzeit daran, dass kritische Fragen der Bevölkerung oft nur unzureichend beantwortet werden können. Die Grünen fordern deshalb in einem Antrag, dass die Auswahl künftiger Nationalparke (derzeit sind fünf Gebiete im Gespräch) aufgrund einer fachlich fundierten Machbarkeitsstudie erfolgen muss. Dabei sind auch Steigerwald und Ammergebirge einzubeziehen.
Ein dritter Nationalpark in Bayern ist zur Umsetzung des Wildniszieles der Bundesregierung und zum Erhalt der rapide schwindenden Artenvielfalt in Bayern dringend erforderlich.  Die Auswahl des künftigen Nationalparks in Bayern durch die CSU-Staatsregierung erfolgt sehr unprofessionell und erscheint beliebig. Auf regionalen Zuruf sollen Gebiete untersucht werden, gleichzeitig bleiben naturschutzfachlich geeignete Gebiete, wie Steigerwald und Ammergebirge, außen vor. Viele Fragen (Holzrechte im Spessart, Gebietskulisse eines Auwaldnationalparks an der Donau, fachliche Qualität der Wälder in der Rhön) bleiben unbeantwortet. Es wäre deshalb dringend Zeit, die in der Diskussion stehenden Gebiete durch eine Machbarkeitsstudie auf eine fachliche Basis zu stellen. Damit könnten Chancen und Risiken eines Nationalparks für eine Region unabhängig dargestellt werden.
„Die Entscheidung einen dritten Nationalpark zu schaffen, traf das Umweltministerium leider vollkommen unvorbereitet. Statt mit fundierten Grundlagen in die Diskussion vor Ort zu gehen, schürt man mit diesem hilflosen Vorgehen die Gegnerschaft vor Ort. Es ist höchste Zeit den Auswahlprozess auf ein fachliches Fundament zu setzen. Leider sieht dies die CSU-Mehrheit im Umweltausschuss anders. Diskussion anhand von Fakten passen scheinbar nicht mehr in die Zeit.“ so der Vorsitzende des Umweltausschusses Dr. Christian Magerl.

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